taz: Twitter ist kein Journalismus und kann nur unzureichend informieren

twitterNatürlich kann Twitter nicht den Journalismus ersetzen. Aber dennoch muss ich Benjamin Weber von der taz in einigen Punkten betreffend der Nachrichtenübermittlung durch Twitter(Nutzer) widersprechen.

Im Artikel “Crash @ Schiphol” erfährt der Leser, dass wiedereinmal Twitter schneller reagieren konnte als die klassischen Nachrichtenagenturen. Augenzeugen waren unmittelbar nach dem Absturz der türkischen Boing vor Ort und twitterten die ersten “Fakten”.

Und hier setzt die Kritik der Taz an:

So spannend es ist, unmittelbar nach dem Absturz auf Twitter zu verfolgen, was in Amsterdam passiert (oder zu passieren scheint), so wenig befriedigend ist die Twitter-Berichterstattung auf Dauer. Wer zwei Stunden nach dem Unglück eine Meldung einer großen Nachrichtenagentur liest, ist umfassend informiert über das, was in Amsterdam passiert ist.

Natürlich. Und wer zwei Stunden nach einem Fußballspiel die Berichterstattung ließt ist auch wesentlich besser informiert als die Zuschauer im Stadion.

Weiterhin schreibt die Taz:

Am Mittwoch konnte Twitter zwar früh berichten, aber die beiden wichtigsten Fragen (Wie viele Menschen sind tot? Warum ist das Flugzeug abgestürzt?) blieben offen. So ist Twitter keine neue Form des Journalismus, sondern eine andere Art zwischenmenschlicher Kommunikation.

Fakt ist:

Twitter-Nutzer waren vor Ort und haben exakt das getwittert was sie gesehen haben, bzw. was sie selber wissen. Niemand hat eine klare Aussage über Tote oder Verletzte gemacht – ganz anders die klassischen Medien, die sich zunächst auf die Meldung aus der Türkei (keine Toten) stützen und anschließen auf Meldungen des Flughafens (9 Tote). Aber auch das waren auch zwei Stunden nach dem Unglück alles nur Mutmaßungen und keine gesicherten Informationen.

Während Twitter also nur das wiedergegeben hat was tatsächlich am Unfallort geschah und was die Nutzer mit eigenen Augen sehen konnten, hat die Presse – ohne überhaupt vor Ort zu sein – erstmal nur die Agenturmeldung  und somit eine klare Falschmeldung (keine Toten) verbreitet.

Da sind mir die “Hypothesen” der Twitter-Nutzer, welche lediglich erzählen wie das Flugzeug aussieht und man davon ausgehen könne, das es Tote gegeben hat doch inhaltlich wesentlich wertvoller.

Und die Presse konnte die beiden wichtigen Fragen “Wie viele Menschen sind tot? Warum ist das Flugzeug abgestürzt?” genauso wenig beantworten wie die Twitter-Nutzer vor Ort.

Über die Opfer gab es widersprüchliche Meldungen und den Grund des Absturzes wird die Presse wohl kaum nach zwei Stunden herrausgefunden haben. Das wird schon noch eine Weile dauern.

Mein Fazit dazu ist:

Twitter hat mich früher und besser als die Presse informiert. Früher, weil Nutzer vor Ort waren und besser, weil nur Fakten übermittelt wurden und nicht wie die Lemminge nur Agenturticker zittiert…

Liebe Taz,

Natürlich kann und wird Twitter  nicht den klassischen Journalismus ablösen. Da braucht ihr keine Angst zu haben. Aber es ist eine prima Ergänzung zu den teilweise ungeprüften Agenturmeldungen und schafft eine weiteren und neutralen Informationskanal – dem sich auch Journalisten ganz gerne bedienen!

Auch interessant...



4 Kommentare

  1. Thorsten sagt:

    Danke! Genau das habe ich beim Lesen des Artikels auch gedacht. Scheinbar sind die klassischen Medien derart mit ihren paranoiden Verteidigungslinien beschäftigt, daß sie oft ihre ureigenen Aufgaben vernachlässigen.
    Gruß

  2. Lars Wichert sagt:

    yupp…und jetzt müssen sie auch noch an zwei Fronten kämpfen: Blogger und Twitterer ;-)

  3. René sagt:

    Ich frage mich auch, ob das nicht schon früher so gelaufen sein muss. Wahrscheinlich hat die schreibende Zunft erst gegen die Einführung des Radios, dann des Kinos, dann der Fernsehnachrichten gewettert. Jetzt kamen die Online-Magazine, Blogs, Twitter und wer weiß was noch…

    Wie Thorsten ganz richtig andeutet: Die sitzen in ihren Schützengräben und feuern blind in Richtung (imaginärer) Front, um sich anschließend gegenseitig auf die Schultern zu klopfen, dass der “Feind” sich an ihnen mal wieder die Zähne ausgebissen hat.

  4. [...] Ein Artikel in der taz bestätigt einmal mehr, wie viele Journalisten zum Internet stehen. Sie sitzen wir die Kaninchen vor der Schlange. Dabei ist weit und breit keine Schlange zu entdecken. [...]

Kommentar hinzufügen

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.