Das die Netzzensur nicht nur unnötig wie ein Kropf, völlig sinnloser Mist und möglicherweise erst der Anfang vom Zensurwahn ist, steht wohl ausser Frage. Das aber einige meine man könnte etwas erreichen wenn wenige hundert – vermutlich stark Internetaffine – Menschen demonstrieren oder gar ihre Blogs abschalten (Streik) und anschließen noch ein paar tausend Unterschriften gegen das Gesetz präsentieren, wundert mich doch sehr.
Ich weiß, dass jetzt sicherlich Kommentare folgen wie: “Gar nichts tun bringt auch nichts”, oder “Die Bewegung braucht einen Anfang”, etc…
Aber immerhin haben wir es hier ja nicht mit irgendeiner Organisation zu tun die etwas unrechtes getan hat, oder eine Zeitung die es zu boykotieren gilt. Hier geht es um Politik. Um Politik im Wahljahr!
Und hier zeigt sich wie klein die sogenannte “digitale Elite” tatsächlich ist. Blogger sind – politisch gesehen – eine Randgruppe. “Nicht-Blogger” interessieren sich aber nunmal leider nicht so stark für die möglichen Folgen der Zensur – wohl aber für das Thema Kinderpornografie und deren Eindämmung.
Somit punkten die verantwortlichen Politiker bei “gemeinen Volk”, von denen die meisten vielleicht ein paar Stunden die Woche im Netz unterwegs sind und sich wohl kaum tiefergehende Gedanken zu diesem Thema machen werden.
Mit Aktionen wie Bloggerstreik und Klein-Demos werden weder das unwissende Volk noch die betreffenden Politiker in irgendeiner Weise wirksam angesprochen.
In der Politik zählen zwei Dinge: Entweder eine große Lobby oder ein großes Budget. Und im Wahljahr kommt noch die Wählerstimme dazu. Um also hier ein paar ordentliche Knüppel zwischen die Beine der Verantwortlichen zu kloppen, bedarf es deutlich mehr Aufmerksamkeit als alle Blogger in Deutschland jemals genererieren können.
Wo aber sind die klassischen Medien? Die sich doch sonst so gerne in der Blogsphäre und bei Twitter rumtreiben und sensationelle Storys suchen? Hier liegt der Schlüssel zum politischen Panzerschrank. Wenn die TV- und Printmonster als Aufklärer der Nation mal damit anfangen würden das Thema breitzukloppen, dann würde vielleicht der ein oder andere Wähler mal über das mögliche Ausmaß dieser Zensur und über seine Stimme bei der Wahl genauer nachdenken.
Statt also Einzelaktionen in der Deutschen Blogszene zu starten, wären gemeinsame Schritte mit den oftmals so belächelten “alten Medien” m.E. deutlich wirksamer. Und da frage ich mich – wo sind die Kontakte zu den Medien, die manch ein Alpha-Blogger doch sonst so gerne und häufig zu seinen eigenen PR-Mitteln einsetzt?
Das ist nur mal so mein Gedanke zur Situation in Sachen Netzzensur…











Sehr schön Lars, vielen Dank für den Artikel abseits der Mainstream-Meinung…!!! Ich stimme dir voll und ganz zu.
Danke ;-) Ich dachte schon jetzt werde ich “geächtet”…
“Internet” ist im Vergleich zu Wirtschaftskrise, Renten und Steuersenkungen immer noch ein ziemliches Randthema. Das geht beim “gemeinen Volk” komplett unter.
Wenn ich es richtig sehe, dann gehörte ich wohl zur besagten “Digitalen Elite”, zumindest zu der Personengruppe, denen man/du dieses Etikett angepappt hat. Und damit gehöre ich wohl auch zu der kleinen Randgruppe der Gesellschaft, der überhaupt bewusst ist, dass da mit der richtigen Intension oder den falschen, nämlich völlig unwirksamen Mitteln gearbeitet wird. Wäre ja auch nicht so schlimm, wenn man da nicht eine Tür öffnen würde (Broken Window Effect), die man bisher bewusst verschossen halten wollte. Aber darüber diskutieren wir hier ja eigentlich gar nicht.
Worüber wir diskutieren ist, dass wir es bei der digitalen wohl eher mit einer virtuellen Elite zu tun haben. Also einer Elite, die irgendwie da ist, aber nicht zu greifen ist und die sich dann auch nicht in solchen Dingen manifestiert wie etwa einem großen Budget oder eine Lobby-Präsenz. Die OpenSource-Kostenlos-Social-Web-Elite ist eben strukturell nicht gemacht für die aktuellen Mechanismen der Macht. Und solange das (noch) so ist, bleibt “uns” nur das zu tun, was wir können: digitales Trommeln. Denn mit etwas Glück und vor allem Geduld lässt sich damit auch was erreichen. Hoffe ich zumindest …
@Zellmi: Die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt. Aber in diesem Fall habe ich gar keine Hoffnung, da das Trommeln leider nicht aus dem virtuellen Dorf hinausgetragen wird (um bei der Metapher zu bleiben). Aber zwei wesentliche Fragen habe ich in meinem Posting gestellt:
1. Wo sind die “wichtigen” Journalisten, die sich sonst so gerne der “digitalen” Welt bedienen?
2. Wo sind die Vor-Blogger der Nation, die sich sonst so gerne mit Hilfe von Print und TV Ego-PR beschaffen?
Wäre das nicht jetzt ein super Zeitpunkt für einen zweckmäßigen Schulterschluß im Sinne aller um “das trommeln” massiv zu verstärken und aus dem digitalen Dorf hin in die Wählerstuben dröhnen zu lassen?
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